Fachbericht „Das Gold im Schatten“ von Mitglied Gabriele Lehnen

Gabriele Lehnen

Das Gold im Schatten

„Ein Asket saß meditierend in einer Höhle. Da huschte eine Maus herein und knabberte an seiner Sandale. Der Asket öffnete verärgert seine Augen. „Warum störst du mich in meiner Andacht?“ „Ich habe Hunger“, piepste die Maus. „Geh weg, törichte Maus.“, predigte der Asket, „Ich suche die Einigkeit mit Gott, wie kannst du mich dabei stören“.“Wie willst Du Dich mit Gott vereinigen“, fragte da die Maus, „wenn Du nicht einmal mit mir einig wirst?”

Jeder Mensch hat Geheimnisse. Diese Geheimnisse haben uns als Kind das Gefühl gegeben, über ein
eigenes Stück Leben zu verfügen, außerhalb der Kontrolle unserer Eltern (Geheimes Tagebuch, geheimes
Versteck, geheime Gedanken, geheime Freunde, geheime Gefühle…). C.G. Jung zufolge verdrängen wir
alles, was unser Selbstbild in Frage stellt – nicht nur schlechte Eigenschaften und Angewohnheiten,
sondern auch gute.

„C.G. Jung: Hierdurch entwickelt jeder Mensch im Laufe seines Lebens eine Art Schatten-Ich: ein Geheimnis, das uns umgibt und das aus allen von uns negierten Eigenschaften und Taten besteht.“

Je mehr wir verdrängen, desto stärker und bedrohlicher wird unser Schatten. Dies ist ungesund und Jung
rät uns deshalb, unseren Schatten zu erforschen und in unsere Persönlichkeit zu integrieren. Dies gilt
auch für Familiengeheimnisse. Familiengeheimnisse können sehr schwer wiegen und ihre Enthüllung
bedroht Beziehungen zu zerstören.

Den eigenen Schatten zu begegnen, kann aber auch zu einem großen Abenteuer werden, wenn wir uns
bewusst dazu entscheiden: Es liegt an uns, ob wir unser Leben als Abenteur ausrichten und immer mal
wieder etwas Neues angehen:
Vielleicht etwas vor dem wir uns fürchten, das wir bisher nicht zu schaffen
glaubten, oder was wir noch nicht versucht haben.

Wir müssen uns entscheiden für die Angst oder für die Liebe. Wenn wir uns für die Liebe entscheiden,
bedeutet das, immer unsere eigenen Grenzen zu überschreiten, Herausforderungen anzunehmen, andere
Rollen kennenzulernen – mal zu tun, was wir sonst nicht tun. Vielleicht auch Ängste zu überwinden, uns
selber zu übertreffen und unser Leben in ein spannendes Abenteuer zu verwandeln.

Hier stehen uns aber oft unsere eigenen Ängste im Weg:

  • Nicht geliebt zu werden
  • Nicht genug zu bekommen
  • Verlassen zu werden
  • Abgelehnt zu werden

Alles ist für uns – nichts ist gegen uns. Seien wir darum offen für das, was uns unterwegs begegnet.
Nutzen wir die Chance, die jeder Tag uns bietet!

Das c des Menschen kann äußerst feinfühlig zwischen lebensfördernden und
lebensfeindlichen Mustern unterscheiden.

Lebensfördernde und stärkende Muster setzen im Gehirn Endorphine frei und haben eine tonisierende
Wirkung auf alle Organe, wohingegen widrige Stimuli Andrenalin freisetzen, die Immunreaktion
unterdrücken und sowohl Schwäche als auch Abgespanntheit bestimmter Organe verursachen – je nach
Art des Reizes.

Auf diesem klinischen Phänomen gründen Behandlungsweisen wie Chiropraktik, Akkupunktur, Reflex-
Massage und viele andere. Alle diese Behandlungen, sind darauf angelegt, die Folgen von
Engergiestörungen zu beheben. Wenn wir jedoch die Grundeinstellung, die die Störung im
Energiehaushalt verursacht, nicht beheben, kehrt die Krankheit üblicherweise wieder zurück.

Körperliche und geistige Gesundheit sind die Begleiterscheinung positiver Einstellungen, wohingegen
körperliche und geistige Krankheiten an so negativen Einstellungen wie Frust, Neid, Feindseligkeit,
Selbstmitleid, Angst oder Besorgheit geknüpft sind.

Es wäre allerdings naiv zu behaupten, dass nur Dinge die von Innen kommen Einfluss auf unsere
Gesundheit haben. Natürlich wird unsere Stärke auch durch persönlichkeitsunabhänige Elemente der
Außenwelt gesteigert oder gemindert. (Ernährung, Pestizide, Kunstfaser, Plastik, Farbstoff,
Konservierungstoffe u.s.w.)

Physiologisch gesprochen: Indem man seine Einstellungen wählt, wählt man eben auch zwischen
anabolischen Endorphinen und katabolischem Andrenalin.

In der Psychoanalyse werden diese positiven Einstellungen „Emotionen des Wohlergehens“ (engl.
wellfare emotions) genannt und die negativen heißen „Notfallemotionen“ (engl. emergency emotions).
Chronisches Versunkensein in „Notfallemotionen“ erzeugt körperliche oder geistige Krankheit und eine
starke Schwächung der positiven Kraft.

Jeder Stress wird innerlich erzeugt, durch die geistige Einstellung.

Stresshormone werden nicht durch die Geschehnisse des Lebens, sondern unsere Reaktionen darauf
aktiviert. Zum Beispiel: Eine Scheidung kann heftigsten Schmerz oder aber auch Erleichterung bringen.
Berufliche Anforderungen können anregend oder auch anstrengend wirken, je nach dem, wie man den
Vorgesetzten wahrnimmt.

Ob wir eine gegebene Situation als tragisch oder komisch erleben, hängt davon ab, auf welche Art und
Weise und mit welchen Vorzeichen wir überhaupt die Bedeutung von Ereinignissen interpretieren.

Abschließend gesagt: Wahrnnehmung ist Schicksal. Wie wir warnehmen, so leben wir.

Quellen: “Atlas der Erlebnisswelten” von Jean Klare, “Grundformen der Angst” von Fritz Rieman, “What makes a life
significant?” von Wiliam James, “Das Gold im Schatten” von Robert A. Johnson




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