Fachbeitrag „Die viszerale Behandlung“ von Georg Eggers D.O.

Georg Eggers

Das viszerale System innerhalb der osteopathischen Behandlung.

Leider bekommt das viszerale System innerhalb einer osteopathischen Behandlung immer noch sehr wenig Beachtung. Warum behandeln wir überhaupt die Viszera?

Sie ist eines der wichtigsten Drucksysteme unseres Körpers. Wenn die Viszera nicht gut “funktioniert”, wirkt sich das auf die Statik des Körpers sehr negativ aus.

Schauen wir uns einmal Kinder in einem Alter von ca. 2 bis 3 Jahren an. Sie haben ein prall gefülltes Abdomen und stehen völlig aufrecht. Wie heben sie Sachen vom Fußboden auf? Sie können sich nicht bücken, sondern gehen in die Knie, wie wir es aus der Rückenschule kennen. Der Grund dafür ist das prall gefüllte Abdomen, das ihnen nicht erlaubt sich zu bücken, da es wie eine Feder wirkt, die sehr viel Spannung hat.

Im Alter von ca. 4 bis 5 Jahren ändert sich die Situation. Die Kinder wachsen sehr schnell in die Länge, das Verhältnis von Körperlänge und abdominalem Volumen ändert sich. Wenn es in diesem Alter schon viszerale Probleme gibt, stellen sich hier die ersten Anzeichen einer Haltungsschwäche dar. Die Kinder haben das Drucksystem der Viszera teilweise verloren und können sich nicht mehr genügend darauf “Abstützen”.

Der Erector spinae ist nicht dafür konzipiert, dass er uns aufrecht hält. Normalerweise stützen wir uns auf unser abdominlales Kissen. Dazu muss es aber gut funktionieren.

Hier ist es also viel sinnvoller, die Viszera zu behandeln, als die Muskulatur zu trainieren, die sowieso schon etliche Überstunden macht!

Wir bezeichnen diesen Zustand der Viszera als “Kraftverlust”. Dieser Zustand kann auch für eine Vielzahl anderer Symptomatiken verantwortlich gemacht werden. Durch diesen “Kraftverlust” entsteht ein Druck nach unten, Richtung Becken, bzw. ein Zug nach oben, Richtung Thorax und Cranium. So bekommen Organe wie Blase, Uterus, Caecum und das Sigmoid eine Druckbelastung von oben. Es ist vorstellbar, dass sich so Myome, Polypen oder auch Divertikel bilden, da diese Strukturen irgendwie versuchen zu reagieren. In den Praxen zeigt sich, dass sich auch eine Nykturie aus dem gleichen Grund sehr gut behandeln lässt, da hier die Blase einen Platzmangel hat.

Der Zug nach oben kann ebenso vielerlei Symptomatiken verursachen. Hier sind sicher Pericard, Faszia endothoracika und der Ösophagus zu nennen. Es ist vorstellbar, dass Schluckbeschwerden, Engegefühl in der Brust oder sogar Herzrhythmusstörungen hier Ihre Ursache finden. Da die Faszien am Kopf enden, ist auch der so häufig genannte Kopfschmerz durch diesen Zug der Viszera zu provozieren.

Wird ein Organ durch ein Diaphragma mobilisiert, wird nur dem Weg des Diaphragmas gefolgt, lediglich der Rückweg wird durch den Osteopathen gehemmt.

Wie kommt es nun zum Kraftverlust der Viszera?

Die Gründe sind sehr zahlreich. Es kommt im Allgemeinen zu einer Minderversorgung der Organe oder zu einem Stau in Diesen. In der heutigen Zeit ist der negative Stress auch sicher zu erwähnen.

Die Behandlung der verschiedenen viszeralen Problematiken beruht darauf, diese Ver- und Entsorgung der Organe wieder zu gewährleisten. Hier hat Jerome Helsmoortel ein geniales Konzept, zu den bereits bestehenden, entwickelt. Er hat eine Zweiteilung (Dualität) aller Organe entdeckt, die immer mit einer Torsion einhergeht. Er beschreibt diese Torsion als wichtigste Bewegung eines Organs. Es stimuliert sich selbst. Zu behandeln sind alle Strukturen, die einen Einfluss auf die Ver- und Entsorgung der Organe haben. Das sind Gefäße, Nerven und alle Strukturen, die diese behindern können. Ziel ist es, diese Torsionsbewegung wieder gut herzustellen.

Benutzt werden dazu nur Bewegungen oder Amplituden, die der Körper selbst initiiert. Zum Beispiel das Diaphragma. Wird ein Organ durch ein Diaphragma mobilisiert, wird nur dem Weg des Diaphragmas gefolgt, lediglich der Rückweg wird durch den Osteopathen gehemmt.

Das führt zu einer sehr wenig invasiven Behandlungsform, die wiederum aber sehr effektiv ist, da hier auch die Dualität des Organs beachtet wird. Das heißt, der Stimulus findet in einer 3 Dimensionalen Bewegung statt, nicht nur in eine Richtung.

Das ist sicherlich nur eine sehr grobe Beschreibung, aber eine genauere Erklärung würde hier zu weit gehen.

Jerome Helsmoortel hat dieses Konzept an der klassischen Schule für Osteopathie (SKOM) mit Sitz in Hamburg und Dornstadt (bei Ulm) eingeführt, wo es auch heute noch unterrichtet wird. Leider verstarb Jerome viel zu früh im Dezember 2007. Wir sagen Danke für dieses geniale Konzept. Heute gibt es auch zusätzlich postgraduate Kurse, die dieses Konzept vorstellen.

Wünschenswert ist es, dass das viszerale System in der osteopathischen Behandlung noch mehr Beachtung erfährt. Es steht so häufig in Relation mit bestehender Symptomatik.

Das pariatale, cranio-sakrale und viszerale System sollten wirklich zu gleichen Teilen beachtet, befundet und behandelt werden. Erst dann ist es eine vollständige osteopathische Behandlung.

Mit freundlichen Grüßen,

Georg Eggers D.O.


Osteopathie-Ausbildung der Skom – Schule für klassische Osteopathische Medizin

Wer darf? Voraussetzung ist eine abgeschlossene Ausbildung als Ärztin/Arzt, Physiotherapeut/in, Heilpraktiker/in, Masseur/in oder med. Bademeister/in mit manueller Therapie (340 Stunden Ausbildung)

Wann geht’s los? Ausbildungsbeginn ist jeweils im September in Dornstadt/Ulm und in Hamburg

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