PHYSIOtalk-Interview mit Dr. rer. physiol. Michael Uebele

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PHYSIOtalk-Interview mit  Dr. rer. physiol. Michael Uebele

Herzlichen Glückwunsch zu Ihrem Buch.

 

Physiotalk:
Schreiben Sie gern?

Dr. rer. physiol. Michael Uebele:
Ich therapiere lieber als ich schreibe. Das geschriebene Wort ist jedoch ein hervorragendes Mittel seine Gedanken und Vorstellungen weiterzutragen.

Physiotalk:
Was begeistert Sie am Schreiben und insbesondere an der Vermittlung von Wissen?

Dr. rer. physiol. Michael Uebele:
Wissensvermittlung stellt eine Aufgabe dar, die mich sehr reizt und die mich immer wieder aufs Neue herausfordert. Der kritische Umgang mit dem Zeitgeist in der Physiotherapie steht für mich im Vordergrund der Wissensvermittlung. War es vor nicht allzu langer Zeit das Hinterfragen diverser Dogmen in unserem Berufsstand, so ist es heute die sich anbahnende Theorielastigkeit und das schwindende Interesse am „kinästhetischen Bewusstsein“ eines neuen „akademisierten Therapeuten“. Meine Begeisterung in dieser Art der Wissensvermittlung hält ungebrochen an, so lange es „wissbegierige Lernende“ gibt, die praxisorientiert Wissen umsetzen wollen.

Physiotalk:
Meinen Sie, dass Ihr Buch in einem Jahr mehr Leser als e-book kaufen werden?

Dr. rer. physiol. Michael Uebele:
Das weiß ich nicht, ich hoffe natürlich dass das Buch egal in welcher Form gekauft wird und dass die Ideen der akrodynamischen Therapie mehr und mehr Eingang in die therapeutische Arbeit finden werden.

Physiotalk:
Was erwartet den Leser Ihres Buches?

 

Es gibt für mich nicht langweiligeres als konsumierendes Lernen.

 

Dr. rer. physiol. Michael Uebele:
Die kinesiologischen Inhalte der motorischen Entwicklung sowie der Phylogenese des Menschen beeinflussen gravierend die menschliche Motorik und tragen unserer Meinung nach wesentlich zum Verständnis von Muskelsynergien bei. Diese Zusammenhänge haben wir versucht darzustellen und therapeutisch zu nutzen. Ich hoffe es ist uns gelungen.

Physiotalk:
Was ist das Besondere an diesem Buch?

Akrodynamik

Dr. rer. physiol. Michael Uebele:
Die Gestaltung des physiotherapeutischen Prozesses in kinesiologischen Zusammenhängen zu betrachten. Die meisten Probleme des Bewegungsapparates haben ihre Geschichte. Diese Geschichte kann man am Bewegungssystem „ablesen“ und ein Verständnis für bestimmte Störungsfelder entwickeln. Das Zusammenspiel von Gliederketten des Bewegungsapparates und myofaszialer Reaktionen wurde insbesondere an der unteren Extremität dargestellt.

Physiotalk: Was erwartet den Patienten bei der Behandlung eines Physiotherapeuten, der Ihr Buch gelesen hat?

Dr. rer. physiol. Michael Uebele:
Jede(r) Therapeut(in), der (die) sich intensiv mit dem Buch auseinandergesetzt hat, wird nicht umhinkommen den weiterlaufenden Reaktionen im Bewegungssystem mehr Beachtung zu schenken. Wir hoffen, dass er/sie für die feinen Antworten des Bewegungssystems sensibilisiert wird.

Physiotalk:
Wie sieht Ihr Arbeitsalltag aus?

Dr. rer. physiol. Michael Uebele:
Ich bin in der glücklichen Lage auf einen abwechslungsreichen Alltag verweisen zu können. Dank eines wunderbaren Teams bin ich trotz Schulleitertätigkeit in der Lage, die Verwaltungsarbeiten in Grenzen zu halten und der Lehre und der Patientenbehandlung Zeit zu widmen. Es macht mir sehr viel Freude, mein Wissen an junge Menschen weitergeben zu können, vor allen Dingen, wenn die Lernenden vermitteltes Wissen kritisch hinterfragen. Es gibt für mich nicht langweiligeres als konsumierendes Lernen.

Neben dieser Tätigkeit entwickeln wir in Mainz momentan einen grundständigen klinischen Studiengang, der auf die Ausbildung eines klinisch reflektierten Praktikers ausgerichtet ist. Ein spannendes Projekt, das alle Beteiligten herausfordert.

Weiterhin bin ich berufspolitisch sehr aktiv. In den letzten 10 Jahren hat sich in der deutschen Physiotherapielandschaft vieles geändert. Der Paradigmenwechsel in unserer Profession, sowie die vielen Missstände in unserem Berufsstand (Vergütung, fehlende Abstimmung zwischen Ausbildungs-, Fort- und Weiterbildungsmarkt) sowie die Öffnung der Politik in Rheinland-Pfalz, sich diesen Problemen zuzuwenden, zwingen geradezu zum Handeln heraus.

Diese Probleme sind mittlerweile auch bei den Auszubildenden angekommen, die nicht mehr länger zuschauen wollen und beginnen berufspolitisch aktiv zu werden. Als ehemaliger Lehrer für Sozialkunde freut mich diese Entwicklung, die uns Lehrkräfte aber auch in einer ganz anderen Rolle fordern. Auf allen Ebenen bin ich gespannt, was die Zukunft noch für Überraschungen bringen wird.

Physiotalk:
Was erwartet den Leser in Zukunft von Ihnen?

Dr. rer. physiol. Michael Uebele:
Ideen haben mein Co-Autor Prof. Dr. Wolf und ich unendlich viele. Ein limitierender Faktor ist die zur Verfügung stehende Zeit. Ich hoffe, wir werden noch einiges zusammen veröffentlichen.

Am ehesten Wahrscheinlich wird die Umsetzung eines weitern Buches sein, welches sich mit der „Rückenschule“ auseinandersetzt. Interessant wäre die Darstellung akrodynamischer Prinzipien mit dem derzeitigen Forschungsstand zu verknüpfen.

Langfristig reizt mich persönlich die Darstellung von Analogien struktureller und energetischer Zusammenhänge. Betrachtet man zum Beispiel die in der akrodynamischen Therapie definierten myofaszialen Züge mit den Meridanen der chinesischen Medizin, so drängen sich geradezu Analogien auf. Ebenso zeigen sich Zusammenhänge zwischen den Diaphragmen des Bewegungssystems mit den Charkren des Menschen. Wir werden sehen.

Vielen Dank für dieses Interview.PHYSIOtalk wünscht Ihnen viel Erfolg mit dem Buch und alles Gute !


Autoren:

Thomas Wolf
Thomas Wolf

Dr. rer. physiol. Michael Uebele

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