Was ist die Physioenergetik?

R. van Assche

Interview mit Raphael van Assche

Kurzinfo  Raphael van Assche MSc D.O.

  • Physiotherapeut, Diplom-Osteopath und Master of Science (Osteopathie)
  • geboren in Belgien, lebt und arbeitet seit 1991 in Wien
  • Ausbildung in Akupunktur und TCM in Nanking/China
  • Ausbildung in Angewandter Kinesiologie in Kalifornien
  • entwickelte die »PHYSIOENERGETIK®« (Holistic Kinesiology) und die AORT (Autonome Osteopathische Repositions Technik)
  • Mitbegründer und Ehrenpräsident der »Wiener Schule für Osteopathie«
  • Autor mehrerer Fachbücher

Das Interview

PHYSIOtalk: Woher kommt der Name Physioenergetik und was bedeutet er?

Raphael van Assche: Der Begriff „Physioenergetik“ ist aus dem griechischen „Physis “ (Natur) und „Energetik“ (die Lehre von der Energie) abgeleitet. Sie ist eine  ganzheits-orientierte Therapie, die Körper, Seele und Geist als Einheit sieht. Die Physioenergetik ist ein diagnostisches und therapeutisches Testsystem und arbeitet mit dem ArmlängenReflex = AR.

PHYSIOtalk: Bevor wir ins Detail gehen, wüsste ich gerne, was diese interessante Grafik bedeutet, die Sie uns zu diesem Gespräch mitgebracht haben?

Abb 1

Raphael van Assche: Ich/wir verstehen unter einem Symptom/Beschwerdebild, dass der Körper uns auf etwas hinweisen möchte – was in Unordnung – was aus dem Gleichgewicht gekommen ist. Ich erkläre es immer gerne an dieser Grafik – dem  „Fass-Modell“.
Im Laufe eines Lebens wird dieses Fass gefüllt durch z. B.: schwere Geburt, Operationen, Unfälle, Verluste, Intoxikationen, schlechte Ernährung, Stress… Irgendwann ist das Fass dann voll, und der Körper zeigt das Überlaufen des Fasses als Symptom. Ziel der Physioenergetik ist es das Symptom zu behandeln – aber ebenso und noch viel wichtiger ist es, den Inhalt des Fasses „aufzuarbeiten“, damit dem System wieder Kapazität zur Verfügung steht. Man kann es vielleicht mit einem PC vergleichen – ist der Arbeitsspeicher voll – ist der PC nicht mehr leistungsstark.

PHYSIOtalk: Was sind die wichtigsten Elemente der Physioenergetik?

Raphael van Assche:
1.) der Armlängenreflex = AR

2.) die Mudras um die Ebenen abzufragen

3.) Vortests, man kann sie mit dem „Pre-Flight-Check“ in einem Flugzeug vergleichen

PHYSIOtalk: Können Sie mir diese Punkte etwas näher erklären?

Raphael van Assche: Ich möchte in diesem Interview nur auf die ersten beiden Punkte eingehen. In den 70er Jahren entdeckte ich bei einem osteopathischen Muskelkettentest, dass bestimmte Stressauslöser eine neuromuskuläre Tonusveränderung der Armmuskulatur hervorrufen. Diese Tonusveränderung bewirkt eine sichtbare Armlängendifferenz. Mit Hilfe dieses Armlängenreflexes (AR) ist ein direkter „Dialog“ zwischen dem Therapeuten und dem „inneren Arzt“ des Patienten möglich, wodurch sowohl die Ursache als auch die entsprechende Therapie ausgetestet werden kann.

1

Der AR ist somit eine Reaktion des Körpers auf sensorische Reize. Mit diesem Biofeedback System (AR) und den Mudras hat der Therapeut eine sehr gute und schnelle Möglichkeit festzustellen, auf welcher Ebene (Struktur, Chemie, Emotion, Information) das pathologische Muster seinen Ursprung hat und in welcher Folge er es therapieren sollte/kann.

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Um es verständlicher zu machen ein Beispiel aus der täglichen Praxis:
das „LWS – Syndrom“ Ursachen dafür können sein:

Auf der strukturellen Ebene: Gelenksdysfunktionen, hypotone oder hypertone Muskulatur, aufsteigende oder absteigende Muskelketten, Probleme im Cranio-Sacralen-System, Faszienfehlspannungen, Mobilitätsstörungen von Organen hier z. B.: Nieren, Blase, Uterus, Ovarien, Dickdarm etc.

Auf der chemischen Ebene: Wassermangel (führt zur Dehydration), ungenügende Ausscheidung von Toxinen über die Nieren, Stoffwechselstörungen, Mangel an Vitaminen, Hormonen, Aminosäuren, Enzymen, essentiellen Fettsäuren, Mineralien, etc.

Auf der psychischen Ebene: bewusste bzw. unbewusste negative Emotionen (Trauer, Verzweiflung, Ängste, Einsamkeit, Wut, Panik, Hilflosigkeit, Ohnmacht…), Mobbing, Partnerschafts-  oder Familienprobleme, hemmende Glaubenssätze, Stress etc.

Auf der Informations Ebene: Narben (Kaiserschnitt, Blinddarm-, Leistenbruch-, Prostata- OP,…), Störungen im Meridiansystem, Störungen der Propriozeption und des Gangbildes, physikalische Störfelder, Störungen in den Chakren oder dem Subtilkörper, etc.

Im Praxisalltag ist es meist eine Kombination von mehreren Ebenen, da wie schon erwähnt, unserer Meinung nach hinter jedem Symptom eine Geschichte steht.

PHYSIOtalk: Wie sieht das Ganze nun in der Praxis aus?

Raphael van Assche: Wie gerade schon hervorgehoben, ist es wichtig, die Geschichte hinter dem Symptom aufzudecken. Vielleicht bleiben wir bei dem LWS – Syndrom und ich berichte Ihnen von einem typischen Patientenbeispiel aus der Praxis.
Frau X ist 35 Jahre alt, hat 2 Kinder (3 und 5 Jahre), und geht seit 1 Jahr wieder arbeiten. Sie hat seit einem halben Jahr querverlaufende Rückenschmerzen – bei längerem Stehen das Gefühl „durchzubrechen“. Schmerz tritt auf wenn sie sich nach längerem Sitzen wieder hinstellen möchte – bzw. wenn sie nach einigen Minuten in vorgebeugter Haltung wieder in eine aufrechte Position kommen möchte. Solange sie in Bewegung ist, hat sie keine Beschwerden. Morgens nach dem Aufwachen fühlt sie sich im LWS Bereich steif.

Befunde der Mobilitätstests:

  • normaler Stand – Druckgefühl im Übergang LWS/Sacrum
  • bei dem Versuch in Extension zu gehen, treten schon sehr schnell die vorher geschilderten Beschwerden auf – es findet wenig Bewegung im LWS Bereich statt – sie kompensiert mit den Hüftgelenken und dem thorakolumbalen Übergang
  • Flexion ist frei mit einem FBA von 0-5cm, der Druck in der LWS geht weg
  • Lateroflexion rechts und links sowie Rotation rechts und links sind endgradig schmerzhaft eingeschränkt

Testablauf:

  • Patientin in Rückenlage – sie möchte die Beine mit einer großen, runden Knierolle unterlagert haben (ca. 45° im Hüftgelenk), in dieser Position ist die LWS frei von dem ihr bekannten Druckgefühl über das Testen/Abfragen mit dem AR und den Ebenen,deckt sich folgende „Geschichte“ auf:

1.) Strukturelle Ebene: Symphyse/Os pubis
Auf Nachfragen gibt die Patientin an im Alter von 15 Jahren auf dem Schwebebalken abgerutscht und mit dem Schambein aufgekommen zu sein
Therapie: AORT (osteopathische Annäherungstechnik) des M. adductor brevis und M. adductor longus, anschließend Manipulation des Os pubis

2.) Informations Ebene: Narben
Auf Nachfragen bzgl. Narben, erzählt die Patientin, dass ihre beiden Kinder mit Kaiserschnitt auf die Welt gekommen sind
Therapie: APM-Salbe (Narbensalbe-Penzel) zur Unterstützung des Meridiansystems, sowie Akupressur im Narbenbereich und auf dem Konzeptionsgefäß

– ein Zwischentest zeigt, dass nun schon eine halbe Knierolle ausreicht –

3.) Emotionale Ebene: Bachblüte Rock Rose – sie steht für Panik
Mittels AR teste ich, ob es sich um eine aktuelle, oder eine Situation, aus der Vergangenheit handelt – es war ihre eigene Geburt. Nachfragen ergibt, dass sie im Geburtskanal steckenblieb, die Herztöne fielen aus und sie wurde mit der
Zange geholt.
Therapie: Bachblüte Rock Rose über 4 Wochen einnehmen

4.) Chemische Ebene: Schüssler Salze Nr. 9 und Nr. 10 in einer D12  Potenzierung
Therapie: Schüssler-Salz Nr. 9 Natrium phosphoricum 3 x 2 Tbl. tägl./4 Wochen
Schüssler-Salz Nr. 10 Natrium sulfuricum 3 x 3 Tbl. tägl./6 Wochen
Diese Salze fördern den Stoffwechsel und die Ausscheidung von Schlackenstoffen

– Ein Zwischentest zeigt, dass die Patientin ihre Beine flach hinlegen konnte-

5.) Strukturelle Ebene: Dysfunktion T12/L1
Therapie: Manipulation T12/L1

Am Ende der ersten Behandlung konnte die Patientin ohne Symptome mit ausgestreckten Beinen liegen und war im Stand beschwerdefrei. Die Ext der LWS verbesserte sich um ca. 30%.

Zusammenfassung:
Die Physioenergetik ist ein offenes System und ermöglicht die bisher erlernten Techniken wie z. B.:Manuelle Therapie, Osteopathie, Cranio-Sacrale-Therapie, Chiropraktik, Bachblüten-Therapie, Traditionelle Chinesische Medizin (TCM), Homöopathie, Neuraltherapie, Ohr-  Hand- oder Fußreflextherapie, Phytotherapie, Psychotherapie, Farbtherapie, Edukinesthetik, NLP,  etc. zu integrieren. Der Vorteil für den Therapeuten ist, dass er sehr schnell und genau austesten kann auf welcher Ebene das pathologische Muster seinen Ursprung hat,  und mit welcher Technik/Methode es zu behandeln ist.

PHYSIOtalk: Seit wann praktizieren Sie die Physioenergetik?

Raphael van Assche: Den AR habe ich vor 40 Jahren entdeckt und seitdem ist diese Methode in einer ständigen Weiterentwicklung.

PHYSIOtalk: Seit wann unterrichten Sie die Physioenergetik und in welchen Ländern bieten Sie zur Zeit Ihre Seminare an?

Raphael van Assche: Ich unterrichte diese Technik seit über 30 Jahren und aktuell in diesen Ländern:
Österreich: Wien, Klagenfurt
Deutschland: Bad Neuenahr
Spanien: Barcelona/Madrid
Chile: Santiago
Japan: Tokio
Argentinien: Buenos Aires
Venezuela: Caracas
Brasilien: Rio de Janeiro, Porto Alegre
Mexiko: Mexico City
Russland: St. Petersburg

PHYSIOtalk: Welche Themen werden in den einzelnen Modulen unterrichtet?

Raphael van Assche: 1. Modul: Einführung und grundlegende Themen, sowie das Erlernen des AR´s und der Mudras. Die weiteren Module beziehen sich jeweils auf eine der 4 Ebenen (Struktur – Chemie – Emotion – Information).
Weitere Informationen sind auf folgender Website zu finden: Internationale Akademie für Physioenergetik: www.physioenergetik.at

PHYSIOtalk: Als Abschluss wäre es noch interessant zu erfahren, wann und wo in Deutschland eine neue Seminarreihe beginnt?

Raphael van Assche: Die nächste Ausbildung in Deutschland beginnt mit Modul A vom 20.11. – 22.11.2014 in der Fortbildung in Bad Neuenahr. Anmeldung und weitere Informationen unter www.fibna.de.

Zusätzlich bieten wir am 10. Oktober um 19.00 Uhr einen kostenlosen Info-Abend zum Thema Physioenergetik an.
Telefonische Anmeldung für den Infoabend unter: 02641-2069473
Adresse: Fortbildung in Bad Neuenahr
Hauptstrasse 73, 1. Etage links

PHYSIOtalk: Wir danken Ihnen sehr für dieses ausführliche, interessante und spannende Gespräch!




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