„Leben ohne Tod – Forscher schaffen das Altern ab“

Norbert Welsch

Interview mit Norbert Welsch

Kurzinfo Norbert Welsch

Der Autor Norbert Welsch stellt sein neues Buch mit dem Titel “Leben ohne Tod – Forscher Schaffen das Altern ab” vor.

Das Interview

PHYSIOtalk: Herzlichen Glückwunsch zu Ihrem Buch. Wie genau heißt es, wo ist es erschienen, was kostet es und wo genau kann man es erwerben?

Norbert Welsch: Mein Buch hat den provokanten Titel „Leben ohne Tod“ mit dem Untertitel „Forscher schaffen das Altern ab“. Es ist 2015 beim wissenschaftlichen Springer-Verlag in Heidelberg erschienen, kostet € 19.99 und ist in allen Buchhandlungen und online erhältlich.

“Zunächst gehe ich der Frage nach, wie der Tod eigentlich in die Welt kam und was das Altern mit uns anstellt.”

PHYSIOtalk: Ist es ihr erstes Buch?

Norbert Welsch: Nein, ich schreibe Bücher seit über 20 Jahren. Inzwischen sind es wohl fast zehn. Anfangs nur Computerbücher, dann kam ich als Chemiker und Biologe zurück zu meinen Leisten. Mein bisher erfolgreichstes Buch beim gleichen Verlag heißt „Farben“. Es wurde über 25000 Mal verkauft und ist eine Art Bibel zu diesem Thema, auch was den Umfang angeht. Vor zwei Jahren erschien „Materie“, ebenfalls ein sehr breit angelegtes und reich illustriertes Buch über die ganze Welt um uns.

PHYSIOtalk: Fällt Ihnen das Schreiben leicht?

Norbert Welsch: Ja und Nein. Manchmal, wenn ich mich mit einem interessanten Thema intensiv beschäftige, fängt es mit Notizen und Literatursammlung an. Dann schreibe ich mir die wichtigsten Dinge zusammen, mache Skizzen von Grafiken, um mir alles selbst klar zu machen. Dieser Teil geht wie von Selbst. Knifflig kann es werden, wenn es darum geht, alles in die richtige Anordnung zu bringen, den Überblick über viele Seiten zu behalten. Da kommt es schon einmal vor, dass man den Faden verliert und dasselbe zweimal erklärt. Oder dass man nur herumstochert und tagelang nicht weiter kommt.

PHYSIOtalk: Was begeistert Sie am Schreiben und insbesondere an der Vermittlung von Wissen?

Norbert Welsch: Ein wenig mehr davon zu verstehen, wie die Welt funktioniert, ist was uns zu Menschen macht. Unser für einen Biologen schon fast seltsam leistungsfähiges Gehirn unterscheidet uns von allen anderen Wesen, die wir kennen. Es gibt uns die Chance mehr Zusammenhänge zu sehen, ein detaillierteres Bewusstsein zu haben. Durch Wissen können wir den Schleier ein wenig lüften, der das Räderwerk des Universums verdeckt.

PHYSIOtalk: Meinen Sie, dass Ihr Buch in 2015 mehr Leser als E-Book kaufen werden?

Norbert Welsch: Nein, ich vermute nicht. Ich lese viele Texte auf dem iPad, aber eher nur kürzere. Mein Buch ist zweihundertdreißig Seiten dick, auch wenn es wegen der dünnen Seiten trotzdem noch handlich und leicht ist. Einen solchen Text lesen wohl die meisten Menschen lieber in einem klassischen Buch, während sie im Zug fahren oder an einem ruhigen Abend im Bett. Allerdings sehe ich auch die Vorteile der E-Books. Man kann viel schneller eine bestimmte Stelle suchen und stört beim Lesen im Bett den Partner nicht so mit hellem Licht.

PHYSIOtalk: Was erwartet den Leser Ihres Buches, insbesondere Physiotherapeuten?

Norbert Welsch: Zunächst gehe ich der Frage nach, wie der Tod eigentlich in die Welt kam und was das Altern mit uns anstellt. Aber warum altern und sterben die meisten Zellen? Die wenigsten wissen, dass das keineswegs alle betrifft. Es gibt definitiv biologisch unsterbliche Zellen und sogar ganze unsterbliche Lebewesen. Langsam beginnen wir zu verstehen, wie Altern auf Zellebene funktioniert. Besonders seit Beginn dieses Jahrtausends gibt es einige Behandlungsansätze, mit denen man die Lebenszeit sehr verschiedener Spezies deutlich verlängern kann. Manche leben 15% länger, andere sogar bis zu dreimal so lang wie natürlicherweise. Ob das Ganze bei Menschen funktionieren wird, wissen wir natürlich noch lange nicht. Hier kann man keine gezielten Experimente anstellen und schon gar nicht deren Ausgang nach über hundert Jahren abwarten. In meinem Buch zeige ich auf, an welchen Projekten gearbeitet wird und welche Stoffe möglicherweise auch bei Menschen ein längeres Leben fördern können. Im letzten Kapitel diskutiere ich einige persönliche, soziale und politische Herausforderungen, die mit Chancen auf längeres Leben verbunden wären.

“Mag es auch für unsere Generation vielleicht zu spät sein – biologische Unsterblichkeit bis zu einem Unfalltod ist aller Wahrscheinlichkeit nach möglich!”

PHYSIOtalk: Was erwartet einen Patienten bei der Behandlung eines Therapeuten, der Ihr Buch gelesen hat?

Norbert Welsch: Das Buch soll keinem Patienten jetzt eine Anleitung in die Hand geben, etwa sofort anzufangen diese oder jene Übungen zu machen oder bestimmte Pillen zu schlucken. So etwas wäre unseriös. Wohl aber gibt es Hinweise darauf, mit welchen Substanzen Forscher versuchen, das Leben zu verlängern. Wie gesagt, ob diese bei Menschen genau so gut wirken wie bei Versuchsorganismen, kann heute niemand sagen.

PHYSIOtalk: Was ist das besondere an diesem Buch?

Norbert Welsch: Es führt auf allgemeinverständlichem Niveau in diesen gerade in den letzten Jahren ungeheuer umtriebigen Forschungsbereich ein. Und für alle, die nicht tatenlos zusehen wollen, wie sie und sogar ihre Kinder vom Zahn der Zeit gefressen werden, gibt es zumindest Hoffnung auf die Zukunft. Mag es auch für unsere Generation vielleicht zu spät sein – biologische Unsterblichkeit bis zu einem Unfalltod ist aller Wahrscheinlichkeit nach möglich!

PHYSIOtalk: Dürfen wir Sie fragen wie Ihr Arbeitsalltag aussieht?

Norbert Welsch: Ich arbeite durchaus viel und gerne bis in die späte Nacht – auch wenn es nach verschiedenen Studien besser wäre regelmäßig 7 Stunden zu schlafen. Meist beginnt mein Tag, wenn ich um halb sieben aufstehe, um mein 14jährigen Töchterchen noch vor der Schule zu sehen. Das gibt Kraft für den ganzen Tag. Ab neun arbeite ich in meinem Hauptberuf als wissenschaftlicher Leiter einer medizintechnischen Firma. Kurzes Mittagessen und weiter geht’s. Ab dem späten Nachmittag kümmere ich mich mit meinem Bruder um unsere neue Firma welsch-institut für Ernährungsoptimierung. Wichtig ist mir ein ausführliches Abendessen mit meiner Verlobten und meiner Tochter. Einen Fernseher habe ich nicht, der verschlingt zu viel Zeit. Die Bücher entstehen meist an den langen Abenden und an verregneten Wochenenden, wenn man keine Ausflüge machen kann.

PHYSIOtalk: Was erwartet den Leser in Zukunft von Ihnen?

Norbert Welsch: Nun, ich arbeite an zwei neuen Projekten. Das eine ist eine Website über Anti-Aging, die auch in meinem Buch erwähnt ist. Das andere ist ein neues umfangreiches Buch mit zwei Co-Autoren. Darin geht es wieder um Leben. Diesmal aber darum, wie das Leben der Erde entstanden sein könnte und wie sich Erde und Leben in den letzten vier Milliarden Jahren gegenseitig beeinflusst haben. Es wird voraussichtlich 2016 zu haben sein.

PHYSIOtalk sagt DANKE für das Interview und wünscht Ihnen alles Gute!

Ein Gedanke zu „„Leben ohne Tod – Forscher schaffen das Altern ab“

  1. Schöne Neue Welt – Albtraum ewiges Leben!
    Auch wenn man normalerweise nicht sterben möchte, diese Vision der Lebensverlängerung führt in eine Welt von Sklaverei, Armut und Hunger auf der einen Seite und zu einer kleinen Oberschicht, die sich ein “ewiges Leben” leistet. Wollen wir das wirklich?




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