Bausteinreihe Handtherapeut der AFH

Copyright: Akademie für Handrehabilitation GmbH & Co. KG

Interview mit Cornelia Paries

Kurzinfo Cornelia Paries

Cornelia Paries ist Ergotherapeutin und B.A. für Medizinalfachberufe.
Sie wohnt in Berlin und arbeitet an der Akademie für Handrehabilitation.
Außerdem ist sie Mitherausgeberin der Fachzeitschrift ergopraxis von Thieme.

Das Interview

PHYSIOtalk: Guten Tag Frau Paries, danke, dass Sie uns für ein Interview zur Verfügung stehen. Mögen Sie sich und Ihre Arbeit kurz vorstellen?

Cornelia Paries: Guten Tag Herr Westendorf. Ja, sehr gerne. Ich bin Ergotherapeutin, B.A., und FH-Dozentin an der Akademie für Handrehabilitation (AFH). Außerdem bin ich Mit-Herausgeberin der Fachzeitschrift „ergopraxis“ vom Thieme Verlag.
Meine Arbeit an der AFH beinhaltet das Unterrichten von Physio- und Ergotherapeuten sowie Bachelorstudenten (Studiengang Medizinalfachberufe) auf dem Gebiet der Handrehabilitation. Unsere Weiterbildung umfasst 18 Module, inklusive Zertifikatsprüfung, von denen ich 12 Module anleite. Außerdem bin ich als Team- und Projektleitung für unser Referententeam zuständig und koordiniere verschiedene Projekte, die wir an der Akademie durchführen.

PHYSIOtalk: Wie ist diese Modulreihe denn aufgebaut, was vermitteln Sie den Teilnehmern in dieser Weiterbildung?

Cornelia Paries: Ein zertifizierter Handtherapeut der AFH ist in der Lage ganzheitlich zu denken und zu behandeln, er versteht die Hand nicht als Einzelstruktur, sondern als Teil des gesamten Organismus. Daher thematisiert unsere Weiterbildung neben der Hand selbst, auch Ellenbogen, Schulter, die Wirbelsäule und das Kiefergelenk – alles in Verbindung zu den wichtigsten Pathologien der Hand, bzw. oberen Extremität.
Die Weiterbildung beinhaltet 16 Module à 2 Tage (=16 Lehreinheiten für die es natürlich auch Fortbildungspunkte gibt) und 2 Module Prüfungsvorbereitung und Prüfung (schriftlich und praktisch). Die Prüfung muss innerhalb von 3 Jahren abgelegt werden. Nach den Modulen HT1-10 können sich die Therapeuten auf unserer Homepage in eine Therapeutenliste eintragen lassen, durch die Ärzte, Patienten und Therapeuten sie finden können. Da unsere Weiterbildung im Rahmen des Bachelorstudiengangs „Medizinalfaachberufe“ akkreditiert ist, erhalten die Teilnehmer mit Bestehen der Prüfung auch ein Fachhochschul-Zertifikat der DIPLOMA FH Nordhessen. Im Anschluss an den Bachelor bieten wir zudem ein Mastermodul „Handrehabilitation“ an.

PHYSIOtalk: Die Bausteinreihe ist vor einigen Jahren von 16 auf 18 Teile ausgeweitet worden und die Skripte sind überarbeitet worden! Was war der Grund dazu?

Cornelia Paries: Die zwei neuen Module sind Schienenbaumodule. Dieser Bereich ist für Handtherapeuten einfach wichtig, egal ob sie im chirurgischen, orthopädischen oder rheumatologischen Bereich arbeiten. Schienenbau war vorher nur in einem Kurs vertreten. Mit der Erweiterung sind wir dem steigenden Bedarf und der Nachfrage unserer Teilnehmer nachgekommen.
Die Skripte überarbeiten wir permanent, um sie immer auf dem neuesten Stand zu halten. Unsere Referenten recherchieren dafür regelmäßig handtherapeutisch relevante Studien und Literatur. Neue wissenschaftliche Erkenntnisse nehmen wir dann natürlich in unsere Kurse und Skripte auf.
Im Zuge der Bausteinreihen-Erweiterung haben wir aber auch das Layout optimiert, Verweise zu Skripten aus anderen Modulen aktualisiert, Fotos erneuert, mehr Zusammenfassungen eingefügt usw. Auch haben wir nun zu einigen Themen QR-Codes in den Skripten, mit denen sich unsere Teilnehmer weiterführende Informationen beschaffen können. Das kann beispielsweise ein Fachartikel zum jeweiligen Thema sein, den einer unserer Referenten geschrieben hat.

PHYSIOtalk: Bieten Sie E-Learning in den Kursen an?

Cornelia Paries: Ja. Wir haben in Zusammenarbeit mit physiofortbildung von Thieme mehrere E-Learning-Module erstellt. Für unsere Kursteilnehmer ist das eine tolle Möglichkeit zur Nachbereitung der Kurse, bzw. Vorbereitung für die Prüfung. Aber auch Therapeuten die keine Kurse besuchen, können diese E-Learning-Module absolvieren. Das erste E-Learning ist thematisch an die Kurse HT1-7 angelehnt, Inhalte sind zum Beispiel Anatomie der Hand, Instabilitätstests, Manuelle Therapie und Narbenbehandlung. Das zweite E-learning thematisiert die Kurse HT8-16, also Ellenbogen, Schulter, Wirbelsäule, neurologische und rheumatologische Pathologien und den Schienenbau. Außerdem haben wir mit Hilfe von fünf Handchirurgen ein Präparations-E-Learning erstellt. Hier werden die Strukturen der Hand und des Unterarms sehr anschaulich am Präparat dargestellt und erklärt. Immer auch mit klinischen Bezügen natürlich. Das Prüfungsvorbereitungs-E-Learning steht nur unseren Prüflingen zur Verfügung.

PHYSIOtalk: Bedarf es nicht Erfahrung der Kursteilnehmer, diesen Kurs zu belegen?

Cornelia Paries: Nein. Natürlich ist es immer von Vorteil, Vorkenntnisse mitzubringen. Aber wir möchten allen Therapeuten, auch den Berufsanfängern oder den Therapeuten, die bisher überwiegend in anderen Fachgebieten tätig waren, die Möglichkeit bieten, sich im Bereich Handtherapie zu spezialisieren. Zudem ist es unserer Ansicht nach sinnvoll, die Handpatienten möglichst von vorn herein mit fachspezifischem Wissen zu behandeln, deshalb setzen wir keine Berufserfahrung auf diesem Gebiet voraus.
Wir empfehlen in diesen Fällen allerdings, die ersten 3 Module (ggf. auch 6) zu Beginn zu belegen, da dort die Grundlagen als Basis vermittelt werden. Da auch diese Module schon sehr spezifisch sind und in die Tiefe gehen, ist es von Vorteil seine Anatomiekenntnisse vorher aufzufrischen.

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PHYSIOtalk: Nutzen Sie in den Kursen Literatur oder Studien?

Cornelia Paries: Im ersten Modul erhalten unsere Teilnehmer das Thieme-Fachbuch „Anatomie und Biomechanik der Hand“, welches Anatomie auf chirurgischem Niveau mit der Anatomie in vivo vereint und unter Mitarbeit von Prof. Dr. Hirt und Dr. Seyhan erstellt wurde.
Im HT7, dem ersten Schienenbaumodul, verwenden wir außerdem ein Schienen-Fachbuch.
Ansonsten sind unsere Skripte aus aktueller Literatur zusammengestellt und enthalten – wo die Wissenschaft es hergibt – evidenzbasierte Therapieverfahren. Da wir sie auch als Nachschlagewerk für später verstehen, sind alle Skripte in Textform gehalten und liefern viele Hintergrundinformationen sowie natürlich Hinweise auf weiterführende Literatur zu handtherapeutischen Themen.

PHYSIOtalk: Was erwartet einen Patienten bei der Behandlung eines Therapeuten, der diesen Kurs besucht?

Cornelia Paries: Diese Patienten erwartet eine umfassend spezialisierte Fachkraft für Handtherapie, die in der Lage ist, das Problem des Patienten im Sinne des Clinical Reasonings zu erkennen und die Hand im Bezug zum gesamten Körper befundorientiert behandeln zu können.
Auch haben unsere ehemaligen Teilnehmer durch Refresherkurse und von uns organisierte Handsymposien immer die Möglichkeit, auf dem neuesten Stand zu bleiben und ihren Wissenstand ständig zu erweitern.

PHYSIOtalk: Was haben Sie noch in Ihrem Portfolio für Physiotherapeuten?

Cornelia Paries: Neben dem Bachelor- und Masterstudiengang mit Schwerpunkt Handrehabilitation kann nach der Zertifizierung zum Handtherapeuten die „Kompetenzpraxis Handrehabilitation“ absolviert werden. Dazu gehören dann neben Refresher und „Röntgen und bildgebende Diagnostik der Hand“ auch der Kurs „Pathologien durch Musikinstrumente“.
Eine weitere Zertifikatsfortbildung ist der AFH-Neuro-Handtherapeut, in dem es neben den peripheren auch um zentral-neurologische Pathologien geht. Außerdem bieten wir verschiedene eigenständige Seminare an, wie Flossing, Faszientherapie, State of the art Kurse zu Tennisarm, Schulter und Schmerztherapie, Englisch in der Handtherapie oder Anatomie und Präparation am Präparat, um nur ein paar zu nennen.
Für größere Praxen bieten wir auch praxisinterne Schulungen an.
Alle an der Handtherapie interessierten Therapeuten sind außerdem zu unserem Handsymposium eingeladen, das wir alle 2 Jahre organisieren.

PHYSIOtalk: Wann ist denn das nächste Handsymposium und wo findet es statt?

Cornelia Paries: Unser 5. Handsymposium zum Thema „Pathologien im Kindes- und Seniorenalter“ findet vom 16.-17. März 2018 in Bad Pyrmont statt. Es bietet interessierten Therapeuten, Ärzten/Chirurgen und verwandten Berufsgruppen die Möglichkeit, ihr spezifisches Fachwissen untereinander auszutauschen. Neben zahlreichen interessanten ärztlichen und therapeutischen Fachvorträgen werden auch wieder praxisorientierte Workshops und Arbeitskreise stattfinden.

PHYSIOtalk: Wo sehen Sie die therapeutische Weiterbildung in 5 Jahren?

Cornelia Paries: Wir arbeiten permanent an verschiedenen Projekten, die wir in 5 Jahren natürlich gern realisiert haben möchten. Dazu gehört beispielsweise eine Studie zu Ultraschall bei Rhizarthrose, die wir ins Leben gerufen haben. Auch arbeiten wir momentan an 2 Buchprojekten und einem neuen E-Learning für den Bereich der Handtherapie.
In 5 Jahren wollen wir also vor allem nicht stehen geblieben sein, sondern unser Wissen noch mehr erweitert haben und den Bereich der Handtherapie aktiv mit vorangebracht haben.

PHYSIOtalk: Wo genau kann sich ein Interessent über Sie und Ihr Angebot informieren?

Cornelia Paries: Im Internet unter www.handakademie.de (wer sich einen schnellen Überblick verschaffen möchte, kann sich dort auch kurze Videos anschauen, in denen wir die Module vorstellen) oder telefonisch unter 05281/95 97 67-2.
Außerdem findet man uns auf Facebook (Akademie für Handrehabilitation), Instagram (@hand_therapy) und auf Twitter (@Handakademie).
Wir sind auch immer wieder auf verschiedenen Therapie-Messen und Kongressen mit einem Info-Stand vertreten und meistens auch mit fachspezifischen Vorträgen und Workshops. Dazu zählen zum Beispiel die Therapiemesse in Leipzig, die TheraPro in Stuttgart und die Medica in Düsseldorf.

PHYSIOtalk sagt DANKE für das Interview und wünscht Ihnen alles Gute!
Ihr Team von PHYSIOtalk.de




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