Forschung & Lehre in der Medizin und die Schnittstellen zur Physiotherapie & Osteopathie!

copyright Ralf Lienert

Interview mit Michael Schmeisser

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Kurzinfo Michael Schmeisser

Michael Schmeisser ist Facharzt für Anatomie und seit Anfang 2017 Professor für Neuroanatomie an der Otto-Von-Guericke Universität Magdeburg. Er unterrichtet an der SKOM Anatomie mit den Schwerpunkten Embryologie und Neuroanatomie.

Das Interview

PHYSIOtalk: Guten Tag Herr Schmeisser. Danke, dass Sie uns für uns ein Interview zur Verfügung stehen. Mögen Sie sich und Ihre Arbeit kurz vorstellen?

Michael Schmeisser: Mein Name ist Michael Schmeisser; ich bin 1983 im Allgäu geboren. Ich habe in Ulm Humanmedizin studiert und dort auch im Institut für Anatomie und Zellbiologie zum Dr. med. promoviert.

Schon früh habe ich meine Leidenschaft für Forschung und Lehre in der theoretischen Medizin entdeckt, so dass ich nach meinem Staatsexamen und meiner Approbation zum Arzt ein Aufbaustudium im Rahmen der internationalen Graduiertenschule der Universität Ulm aufnahm, das ich mit einer weiteren Promotion zum Dr. rer. nat. abschloss. Anschließend erfolgten nach Aufbau einer eigenen Arbeitsgruppe mit dem Forschungsschwerpunkt molekulare und translationale Neuroanatomie der Facharzt für Anatomie, der Fachanatom der anatomischen Gesellschaft und die Habilitation. Seit Anfang 2017 bin ich nun Professor für Neuroanatomie an der Otto-von-Guericke Universität Magdeburg.

PHYSIOtalk: Sie arbeiten schwerpunktmäßig in der Anatomie. Wo sehen Sie Sie die Schnittstellen zur Physiotherapie? Und wo zur Osteopathie?

Michael Schmeisser: Nach meiner mittlerweile gut zwölfjährigen Tätigkeit in allen Bereichen der anatomischen Lehre glaube ich, dass das anatomische Wissen für angehende Physiotherapeuten und Osteopathen DAS zentrale Handwerkszeug für die Ausübung der jeweiligen beruflichen Tätigkeit darstellt und daher auch den besonders ausgeprägten “anatomischen Wissensdurst” der Auszubildenden dieser Berufsgruppen erklärt. Gerade deshalb macht mir hier das Unterrichten auch so viel Freude.

PHYSIOtalk: Ein weiterer Schwerpunkt ist die Embryologie. Was ist das Besondere an dieser Wissenschaft und wo sehen Sie hier Schnittstellen in der Therapie?

Michael Schmeisser: Ohne ein klares Verständnis der Embryologie gibt es kein klares Verständnis der Anatomie.
In Bezug auf Erkrankungen bedeutet das: ohne das klare Verständnis ihrer Entstehung,
ist auch keine ursächliche Therapie der jeweiligen Erkrankung möglich.
Die Embryologie kann man quasi als eine DER entscheidenden Grundlagenwissenschaften verstehen.
Leider hat sie jedoch im Lehrplan meist nicht diesen Stellenwert und wirkt auf Studierende oder Auszubildende oftmals zu abstrakt und komplex. Durch meinen transparenten, fokussierten und interaktiven Embryologieunterricht möchte ich dieses Image gerne verändern.

PHYSIOtalk: Sie sind mehrfacher Forschungspreisträger. Wofür gab es welche Auszeichnungen?

Michael Schmeisser: Nicht nur in der Lehre, sondern auch in der Forschung beschäftigte ich mich mit entwicklungsbezogenen Fragestellungen.

Insbesondere interessiere ich mich für die molekularen und neuroanatomischen Grundlagen der Hirnentwicklung. Meine beiden Promotionen wurden in diesem Zusammenhang jeweils mit Promotionspreisen der Universität Ulm ausgezeichnet. Da ich mich v.a. in letzter Zeit auch mit Störungen der Hirnentwicklung auseinandersetze und z.B. eines der ersten Mausmodelle für Autismus charakterisiert habe, wurden mir der Nachwuchspreis der anatomischen Gesellschaft und der Weber-Bosch-Preis der Wissenschaftlichen Gesellschaft Autismus Spektrum verliehen. Jüngst und in naher Zukunft liegt mein Fokus v.a. auf der Erforschung seltener, genetisch aber klar erklärbarer Erkrankungen des sich entwickelnden Gehirns. Da diese oftmals mit Intelligenzminderung einhergehen, könnte in einem besseren Verständnis der Ursachen der Schlüssel zur Erklärung und damit möglicherweise auch zur allgemeinen Therapie von Intelligenzminderung liegen. In diesem Zusammenhang wurden meine Projektideen 2015 mit dem Care-for-Rare Science Award und 2017 mit dem Eva Luise Köhler Forschungspreis ausgezeichnet. Die Preisgelder dienen nun zur Anschubfinanzierung meiner aktuellen Forschungsprojekte.

PHYSIOtalk: Bieten Sie auch Kurse zu dem Thema an?

Michael Schmeisser: Ehrlich gesagt wäre das eine super Idee.

Ich finde sowieso, dass es enorm wichtig ist, wissenschaftliche Fragestellungen und Ergebnisse nicht nur dem eigenen Forschungsfeld, sondern einem breiten Fachpublikum und auch der Allgemeinbevölkerung transparent und klar verständlich zu vermitteln.

PHYSIOtalk: Abschließend die Frage, wo genau sich ein Interessent Ihrer Kurse und Arbeit informieren darf?

Michael Schmeisser: Jederzeit gerne im Internet, z.B. unter www.osteopathie.com.

PHYSIOtalk sagt DANKE für das Interview und wünscht Ihnen alles Gute!
Ihr Team von PHYSIOtalk.de




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