Bewertungsportal für Physios – Teil 1

Physiotherapeutische Übung

Fachbeitrag von Kajo Lang

Wer Sternchen sieht, der tanzt auf einem anderen Stern

Was können und was dürfen Bewertungsportale leisten? Sind sie eher Fluch oder doch Segen? Die Erfahrung der letzten Jahre zeigt, dass viele Kollegen und Kolleginnen mehr als skeptisch sind. Das jüngste Urteil des Bundesgerichtshofs scheint das zu bestärken. Hinzu kommt, dass die meisten therapeutischen Berufe nur als Anhängsel von Ärzteportalen behandelt werden.

Wie aber wäre es, wenn es ein Bewertungsportal ausschließlich für therapeutische und heilende Berufsgruppen gäbe? Wenn Physiotherapeuten ihren eigenen Bereich besäßen? Mit einem Bewertungssystem, das fachkundige Kollegen und Kolleginnen entwarfen?

PHYSIOtalk.de stellt Ihnen in einer Serie von drei Teilen ein neues Bewertungsportal vor, das von den Kritikpunkten bisheriger Portale ausgehend, ein komplett anderes System konzipierte.

Physiotherapeutische Übung

Folge 1

Carsten S. traute seinen Augen nicht. Auf einem Bewertungsportal musste er lesen, dass ein Patient ihn mit der Schulnote 4,3 bewertet hatte. Der ausgebildete Physiotherapeut, der seit 11 Jahren eine erfolgreiche Praxis führt, nahm sich vor, den Patienten darauf anzusprechen. Denn er war sich sicher – hier musste ein Missverständnis vorliegen.

Er erinnerte sich genau, dass der Patient vor einigen Wochen mit starken Rückenschmerzen zu ihm gekommen war. Carsten S. hatte dem Patienten erklärt, es könne zu Anfang der Behandlung schmerzhaft werden, weil die Schmerzpunkte erst einmal gelöst werden müssten. Nach einigen Behandlungen werde es ihm aber besser gehen.

Tatsächlich war die Behandlung sehr erfolgreich gewesen, zumal er dem Patienten einige Übungen gezeigt hatte, die der Patient täglich zu Hause verrichten konnte. Es zeigte sich, dass der Patient schon nach vier Wochen über die neu erlangte Schmerzfreiheit glücklich war. Und jetzt diese schlechte Bewertung!

Entertainment im Wartezimmer

Carsten S. war früher ein sehr guter Handballspieler gewesen. Bis in die Regionalliga hatte er es geschafft, als ein Meniskusriss ihn zur Aufgabe gezwungen hatte. Auch wenn es in seinem Sport zuweilen ruppig und beinhart zur Sache ging, waren Carsten S. Regeln und Fairness immer wichtig gewesen.

Als Carsten S. den Patienten beim nächsten Besuch auf die Bewertung ansprach, verstand der Patient nicht, was er meinte. Es dauerte eine Weile, bis Carsten S. begriff, was hier gelaufen war. Denn tatsächlich hatte der Patient alles richtig gemacht.

Für die medizinische Behandlung hatte der Patient Carsten S. die Schulnote sehr-gut gegeben. Er war absolut zufrieden mit Carsten S. Da der Physiotherapeut jedoch über keine Parkplätze verfügte und auch keinen gesonderten Wert auf Zeitschriften der Güte „Frau mit Hund“ und „Ein Herz und eine Krone“ legte, hatte der Patient Parken wie das Entertainment, wie es hieß, jeweils mit der Schulnote sechs bedacht. Dies ergab das Ergebnis von 4,3.

Carsten S. ist nicht der einzige Therapeut, der sich über die teils unqualifizierten und wenig differenzierten Fragen der Bewertungsportale ärgert. Allgemein herrscht eine Mischung aus Beliebigkeit und fachlicher Ferne, wie der geschockte Physiotherapeut feststellte. Auf einem Kongress, an dem er zur Fortbildung teilnahm, sprach er das Thema an und sagte: „Ich habe nichts gegen Bewertungsportale. Aber ich erwarte Fairness und Seriosität.“

Fachleute entwickeln Fragen

Innerhalb von wenigen Wochen bildete sich eine Gruppe aus verschiedenen Disziplinen. Es fanden sich Physiotherapeuten, Ergotherapeuten, Masseure, ein Osteopath, zwei Logopäden und andere zusammen. Die Mitglieder kamen aus ganz Deutschland. Sie kommunizierten per Email und entwickelten einen ganz speziellen Fragenkatalog.

Zuerst gliederten sie die Fragen in drei Bereiche. Der erste Bereich betraf ausschließlich die Schmerzbehandlung, also die Beurteilung der therapeutischen Maßnahme.

Der zweite Bereich bezog sich auf sogenannte weiche, weil subjektive Faktoren wie Freundlichkeit, Empathie etc. Auch ging es darum, ob und welches Vertrauensverhältnis der Patient zum Therapeuten entwickeln konnte.

Zum Schluss einigte sich die Gruppe auf die sogenannte Umfeldbeurteilung, womit Dinge wie Terminpünktlichkeit, Parkplatzsituation und Entertainment wie Zeitschriften u.a. gemeint waren.

Wie von einem anderen Stern

Das Besondere an dieser Bewertung aber war die Gewichtung. Der erste Bereich der Schmerzbehandlung, von allen als der wichtigste angesehen, erhielt die fünffache Bewertung. Da fünf Fragen gestellt wurden und jede Frage fünffach gewertet werden sollte, betrug somit die maximale Gesamtbewertung des ersten Bereichs 125 Sternchen.

Der zweite Bereich, die sogenannten weichen Faktoren wie Freundlichkeit, Empathie u.a., qualifizierte die Gruppe mit drei Punkten. Ebenfalls waren fünf Fragen zu beantworten. Maximal waren 75 Sternchen zu vergeben.

Zum Schluss kam der Bereich der Umfeldbeurteilung. Wieder fünf Fragen, jeweils mit Sternchen zu bewerten, ergab dies bei einfacher Wertung eine maximale Punkteausbeute von 25 Sternchen.

Seriosität zahlt sich aus

Carsten S. bat seinen Patienten um eine neue Beurteilung. Er legte ihm den neuen Fragenkatalog vor und wartete gespannt auf das Ergebnis. Würde er eine bessere Benotung erzielen?

Der Patient gab sich viel Mühe, zumal er die Arbeit wie aber auch Carsten S. persönlich schätzte. Das Ergebnis waren Höchstnoten in den ersten beiden Bereichen. Lediglich im dritten Bereich schwächelte es. Von 225 möglichen Sternchen hatte der Patient Carsten S. 218 Sternchen gegeben. Dies entsprach der Schulnote 1,1 und wurde mit 4,9 von 5 möglichen Sternchen in der Gesamtbewertung dargestellt.

Carsten S. und der Patient waren zufrieden. Denn das Ergebnis entsprach der erfolgreichen Arbeit und dem Vertrauensverhältnis zwischen ihnen. Stolz teilte der Therapeut seiner Gruppe mit, was geschehen war. Es stellte sich heraus, dass auch andere Therapeuten zu ähnlichen Ergebnissen gekommen waren. Man zeigte sich sehr zufrieden.

„So muss eine Beurteilung sein“, erklärt Carsten S. lächelnd, denn er weiß, was er kann. Und mit diesem Bewertungssystem fühlt er sich gerecht behandelt. Was nun noch fehlte, war ein Bewertungsportal, das mit den erarbeitenden Fragen seiner Fachkollegen bereit war zu arbeiten.

Wie aber sollte das aussehen? Und die wichtigste Frage lautete: Wer würde das machen?

Weitere Informationen finden Sie unter www.wikisoma.de

2 Gedanken zu „Bewertungsportal für Physios – Teil 1

  1. Zuerst wollte ich als kurzen Kommentar ein “gerne”, versehen mit einem Smiley, schreiben. Aber dieses Programm sagte mir: Hey, du bist zu kurz!
    So, dachte ich, und das bei 1,81 m. Naja, dann muss ich halt etwas mehr schreiben, damit dieses Programm reagiert. Somit schreibe ich: “Gerne”, versehen mit einem :-)
    Kajo Lang




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